Geschichtliches

Geschichte der ev.-luth. Kirche St. Martini zu Rehburg

Die Anfänge der Kirche in Rehburg liegen im Mittelalter. Christliches Leben lässt sich in der Stadt Rehburg anhand einer Burgkapelle in der mittelalterlichen Festung „Rehburg“ ab 1350 nachweisen. Die Kapelle unterstand vor der Entstehung des ev.-luth. Glaubens einem katholischen Geistlichen aus Mönnekehusen. Das als Mönnekhusen bekannte Dorf lag auf dem Harrberg zwischen Rehburg, Bad Rehburg und Winzlar. Mönnekehusen war der Stammsitz des Adelsgeschlechts der Münchhausens. Die Bewohner Rehburgs besuchten anfangs die Gottesdienste in der Kirche zu Mönnekehusen. Das Ende der Gottesdienstbesuch in Mönnekehusen wurde mit der Zerstörung des Dorfes angebahnt. Vermutlich ging das Dorf Mönnekehusen 1519 in der Hildesheimer (1519-1523) Stiftsfehde unter. Bis auf den Adelssitz und die Kirche wurde das Dorf ausgelöscht. Dennoch fanden auch nach der Zerstörung noch Gottesdienste dort statt. Die letzten katholischen Priester war dort Cocus und Hartmann bis 1528. Sie waren gleichzeitig Priester im Zisterzienserkloster St. Marien Loccum.

Unter Herzog Erich I. wurde der Flecken Rehburg mit Mönnekehusen im Jahre 1529 evangelisch. Den ersten evangelischen Gottesdienst hielt Pastor Lieffeisen in der Kirche zu Mönnekehusen. Wenige Jahrzehnte später stattete Clamor von Münchhausen die nun evangelische Kirche mit Grundvermögen aus. Im Jahre 1556 schenkte dieser sein ehemals zur Kirche zu Mönnekehusen gehörendes Erbgut der Kirchengemeinde Rehburg. Mit dieser Schenkung förderte er finanziell das kirchliche Leben in Rehburg unter Pfarrer Wöpsen, dem ersten evangelischen Pfarrer in der Stadt Rehburg. In dem folgenden Jahr wurde im Zuge der Auflösung des zerstörten Stammsitzes Mönnekehusen das noch stehend Schloss samt Kirche abgebaut. Mit dem von dort genommenen Baumaterial wurde im Jahre 1557 eine Holzkirche an der Ostseite eines Rehburger Wachturmes gebaut. Dieser bereits 1331 erwähnt Wachturm wurde so zum Kirchturm der Rehburger Kirche. Auf ihn wurde 1585 eine in seiner Form bis heute erhalten gebliebene Kirchturmspitze gesetzt. Im selben Jahr wurde unter Pfarrer Wöpsen Rehburg eine eigenständige Pfarrei. Finanziell sicherte Erich Hans von Münchhausen das kirchliche Leben der neuen Pfarrei Rehburg durch die Schenkung von Länderrein im Jahre 1597. Mit der auf diese Weise entstandenen Kirche endete für die Rehburger der beschwerliche Weg nach Mönnekehusen zum Gottesdienst.

1623 wurde Rehburg in den anfänglich als Glaubenskrieg begonnenen 30-jährigen Krieg verwickelt. Katholische Truppen erreichten die Gegend um Rehburg. Mit den Truppen der Katholiken kam auch die Pest nach Rehburg. Aus Berichten geht hervor, dass nur 11 Häuser Rehburgs im Jahre 1623 keinen Pesttoten zu beklagen hatten. Der bis ca. 1940 hier am 9. Oktober gefeierte Pesttag erinnert an jene elende Zeit und wurde als Dank für die Bewahrung in der Zeit der Pest gefeiert. Im Zuge des auch neben der Pest weitergeführten Krieges wurde Rehburg durch das Restitutionsedikt des Kaisers im Jahre 1629 wieder katholisch. Doch schon nach kurzer Zeit wurde Rehburg wieder evangelisch. Nach dem Ende des 30-jährigen Krieges wurde Rehburg 1648 das Stadtrecht verliehen. Die für Rehburg zuständigen Amtsmänner förderten den evangelischen Glauben. Aus der damals noch üblichen Verbindung zwischen Stadt und Kirche fanden auch die Namen der Amtsmänner ihren Weg auf die Kanzel.

Hundert Jahre nach dem 30-jährigen Krieg entstand die heutige Kirche St. Martini. Sie wurde 1748 gebaut, nachdem die am selben Platz stehende alte Holzkirche unter Pastor Crome abgerissen wurde. Sie entstand nach dem Österreichischen Erbfolgekrieges als Interimskirche nach dem 1748 in Aachen geschlossenen Frieden. Die lateinische Inschrift über dem nördlichen Kircheneingang erinnert noch daran. Übersetzt lautet die Inschrift: „Bürger, freue Dich. Dir werden Gotteshäuser errichtet in dem Jahre in dem wieder Frieden hergestellt ist.“ Die feierliche Einweihung der Kirche fand am 21. Sonntag nach Trinitatis statt. In einer Urkunde bittet Pastor Crome den Dreieinigen Gott um Segen für die Kirche. Er schreibt: Gott „[…] segne die, so künftig diesen Tempel besuchen, um sein heiliges Wort zu hören, dass sie zu lebendigen Tempeln Gottes werden.“ Im Zusammenhang der feierlichen Einweihung der Kirche fällt auch der Kirchenname „St. Martini“, da an diesem Tag das Fest der gesegneten Reformation Luthers fiel.

Durch die Geistesströmung der Aufklärung in Rehburg werden viele weitreichende Veränderungen angebahnt. Eine dieser Veränderungen ist die Auflösung des alten Kirchhofes bzw. Friedhofes 1832. Dieser umgab bis zu diesem Zeitpunkt die Kirche noch. Grabsteine an der Kirche und am Gemeindehaus erinnern an diesen Friedhof. Unter Pastor Walther wird der heute noch verwendete Friedhof fern der Kirche eingeweiht. Neben diesen eher äußerlichen Veränderungen kommt es jedoch auch zu Veränderungen im kirchlichen Leben selbst. Deutlich wird dies an der Klage der Rehburger Pfarrer über die Abnahme des Abendmahlsbesuches. Eine andere durch die Aufklärung angebahnte Veränderung ist die Entflechtung der kirchlichen und politischen Gemeinde in Rehburg. Eine Verbindung zwischen politischer und kirchlicher Gemeinde wurde nun zusehends undenkbar, wie sie noch nach dem 30-jährigen Krieg durch Namen politischer Würdenträger auf der Kanzel bezeugt wird. Ein Ende fand die Verquickung von politischer und kirchlicher Gemeinde jedoch erst 1987.

In der jüngsten Vergangenheit wurden neue Aufbrüche gewagt. 1975 wurde ein Gemeindehaus neben der Kirche St. Martini errichtet. Das Gemeindehaus gibt seither vielen Gruppen in der Kirchengemeinde ein zuhause. Neben solchen Aufbrüchen besann man sich jedoch auf die alten Wurzeln der Kirchengemeinde. In diesem Zuge fand kurz vor der Jahrhundertwende das 1960 wieder entdeckte Taufbecken einen Platz in der Kirche. Gleichzeitig wurde 2001 die Kirche auf ein neues Fundament gestellt. Nachdem der Grundwasserspiegel Rehburgs abgesenkt wurde, war es nötig, die im ehemaligen Moor errichtete Holzpfahlkirche, auf ein neues Fundament zu setzen. 2001 wurde nach zweijährigen Sanierungsarbeiten die Kirche neueingeweiht. Die Harke titelte: „St. Martini Kirche steht nach zwei Jahren wieder auf festem Fundament“. Auf diesem Fundament entstand unter dem Wirken von Pastor Held ein aktives Gemeindeleben. Neben dem traditionell gefeierten Gottesdienst entstand eine moderne Form der Gottesdienstfeier. Neue Gruppen wurden in der Gemeinde gegründet. Es entstand eine reich gesegnete Hauskreisarbeit, deren Früchte heute noch sichtbar sind.

 

Geschichte der ev.-luth. Gemeinde in Bad Rehburg

Die Geschichte der ev.-luth. Gemeinde in Bad Rehburg ist mit der Entdeckung der Heilkraft des Rehburger Brunnens verbunden. Angezogen von der heilenden Wirkung des Rehburger Wassers besuchte seit 1692 der hannoversche Kursfürst mit ganzem Hofstaat jährlich einige Wochen hindurch den Rehburger Brunnen. Feste Wohnhäuser waren zu dieser Zeit in Bad Rehburg noch nicht vorhanden und so wurde auch der Gottesdienst seit 1692 unter freiem Himmel oder in einem Zelt gehalten. Erste Gottesdienste hielt dort der Rehburger Pastor Meyer. Später hielt Pastor Crome Gottesdienst in der Wandelhalle des westlichen Teils des Brunnentales. Durch die Kurgäste blühte Bad Rehburg schnell auf. 1799 bildeten 17 am Rehburger Brunnen wohnende Familien eine erste Gemeinde. Mit den Besuchen von Königin Friderike von Hannover (1778-1841, geb. Prinzessin von Mecklenburg-Strelitz) beginn ein neues Kapitel in der Kirchengeschichte Bad Rehburgs. Sie hatte das Bestreben in Bad Rehburg einen Rückzugsort für die Familie zu gründen. Im Zuge des Ausbaus ihres Refugiums entstanden nach einem Kuraufenthalt 1840 entstand in ihr der Plan „in dem lieblichen Badeort“ ein Gotteshaus zu errichten. Die Planung dieses Gotteshauses entsprach einer tiefen Frömmigkeit, die in vielen ihrer Briefe bezeugt ist. Nachdem die Baupläne für die Waldkapelle erarbeitet waren, starb die Königin jedoch 1841 plötzlich. Ihr Gemahl König Ernst August von Hannover (1771-1851) setzte die Baupläne um. So entstand „auf dem Brunnenberg, inmitten des herrlichen Buchenwaldes“ die Kapelle.

Am 24. August wurde die Kapelle unter dem Rehburger Pastor Steinmetz eingeweiht. An der Weihe nahmen König Ernst August sowie ein großer Teil der hannoverschen Landesprominenz teil. Die Kapelle erhielt zu Ehren der Gemahlin von Ernst August von Hannover den Namen „Friederikenkapelle“ und wurde der Gemeinde Bad Rehburg übergeben. Über die anfängliche Nutzung der Kapelle wird berichtet, dass in der Badezeit vom 2. Sonntage des Junis bis zum 3. Sonntage im August sonntäglich Gottesdienste gefeiert wurden und mittwochs Gebetssunden stattfanden. Einige Jahre später wurde am Pfingstfest 1853 die noch heute intakte Orgel für den gottesdienstlichen Gebrauch eingeweiht. Bei diesem Festgottesdienst war auch König Georg V., der Sohn König Ernst Augusts und Königin Friederike anwesend. Die enge Verbindung des Hannoverschen Königshauses zur Kirche in Bad Rehburg findet einen Ausdruck in diesen Besuchen.